Burnout als Diagnose in der ICD-10 und ICD-11
Kritiker wenden ein, dass es für den Begriff Burnout aktuell noch immer keine einheitliche Definition gebe. Verwiesen wird hier gern auf die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, das weltweit anerkannte Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen. Die 10. Version (ICD-10) ist die aktuell gültige Ausgabe. Ihre Nachfolgerversion, die ICD-11, wurde 2019 verabschiedet und tritt 2022 in Kraft.
In der ICD-10 ist Burnout lediglich in der „Restkategorie“ Z73 aufgeführt im Zusammenhang mit Problemen mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung. Der Code Z73 ordnet das Burnout-Syndrom nicht als eigenständige Krankheit ein. Z73 weist lediglich darauf hin, dass Umstände oder Situationen vorliegen, die Auswirkungen auf den Gesundheitszustand haben. Eine genaue Definition des Burnout-Syndroms findet in der ICD-10 nicht statt. Aufgrund der fehlenden Diagnosekriterien sind keine genauen Aussagen über die Häufigkeit, Ätiologie oder die Wirksamkeit von spezifischen Interventionen möglich. Wer umgangssprachlich unter Burnout leidet, erhält also je nach vorherrschenden Krankheitssymptomen als medizinische Diagnose Depression, Angstzustände oder Abhängigkeit.
Im medizinischen Alltag wird der Begriff Burnout dennoch verwendet
In der medizinischen Realität erfährt der Begriff Burnout dagegen schon seit Jahren Akzeptanz. Aufgrund von vielen individuellen Krankheits- und Leidensgeschichten von Burnout-Patienten, die in den Oberberg Kliniken behandelt wurden, wissen wir, dass beide Pole der Diskussion ihre Berechtigung haben. Burnout ist keine Behandlungsdiagnose für einen stationären Aufenthalt, sondern beschreibt auslösende Faktoren im beruflichen und persönlichkeitsbezogenen Kontext, die zu stationär behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen, wie z. B. Depressionen, Angst oder Abhängigkeit führen können.
Die Reaktion der Weltgesundheitsversammlung
Die Weltgesundheitsversammlung ist das Gremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die regelmäßig das Klassifikationssystem ICD überarbeitet und aktualisiert. Die Weltgesundheitsversammlung hat auf die gesellschaftliche Relevanz des Themas Burnout reagiert und in der neuen, 2022 in Kraft tretenden Version Burnout nun erstmals genauer definiert. Wichtige Symptome sind:
- ein Gefühl des Ausgebranntseins
- innere Distanz zur Arbeitsstelle, oft verbunden mit einer negativen Haltung zum eigenen Job oder Zynismus
- geringere berufliche Leistungskraft
Der Begriff Burnout wird in der ICD-11 allerdings rein auf das berufliche Umfeld bezogen. Ein Ausgebranntsein auf Grund von Überforderung durch häusliche Pflege, Stress wegen Doppelbelastungen in Familie und Beruf oder aus anderen, nicht rein beruflichen Gründen, entspricht laut ICD-11 nicht der Diagnose Burnout.
Burnout als Teil des therapeutischen Konzepts in den Oberberg Kliniken
Für die Oberberg Kliniken ist Burnout daher weiterhin nicht in erster Linie ein diagnostisches Instrument, sondern ein sehr hilfreiches therapeutisches Konzept zur Erklärung unterschiedlicher individueller äußerer (beruflich-bedingter) und innerer (persönlichkeitsbedingter) Stressoren. Es bietet Therapeuten und Patienten die Chance, ätiologische Faktoren für Krankheitsentwicklungen besser zu verstehen und therapeutische Veränderungen im Sinne der Gestaltung einer „ansteckenden“ Gesundheit vorzunehmen.
Häufigkeit von Burnout
Über die genaue Häufigkeit von Burnout in der Allgemeinbevölkerung oder in einzelnen Berufsgruppen kann aus Sicht der Oberberg Kliniken keine qualifizierte Aussage getroffen werden. Allerdings erscheinen uns Einschätzungen in einzelnen Studien, dass ca. 3 – 5 % im Sinne einer ambulanten oder stationären Psychotherapie behandlungsbedürftig seien, nachvollziehbar.
Die in vielen Studien genannte hohe Prävalenz von 20 – 30 %, ja teilweise bis zu 50 %, spiegelt aus Sicht der Oberberg Kliniken eher die Tendenz der Veränderung der Arbeitswelt wider als eine genaue Prävalenz eines bis heute nicht genau definierten Syndroms. In unserer Arbeitswelt werden Methodenkenntnisse, Produktivität und Wertschöpfung kontinuierlich weiterentwickelt, während Persönlichkeit, Miteinander und gelebte Werte bzw. Wertschätzung immer mehr in den Hintergrund zu rücken scheinen.
In diesem Kontext bietet (und fordert) die Auseinandersetzung mit dem Thema Burnout für jeden von uns die Chance, über den Bereich der angewandten Medizin hinaus ein ganzheitliches Verständnis für Themen der eigenen Gesundheit zu entwickeln, welches äußere, sprich berufliche und familiäre, sowie innere persönlichkeitsbedingte An- und Überforderungen beleuchtet und hinterfragt.
Unsere Kliniken zur Behandlung von Burnout
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Berlin
Oberberg Fachklinik Fasanenkiez Berlin (für Kinder & Jugendliche)Schaperstraße 36Klinik für Kinder und Jugendliche
10719 Berlin -
Nordrhein-Westfalen
Oberberg Fachklinik Konraderhof (für Kinder & Jugendliche)Zum Konraderhof 5Klinik für Kinder und Jugendliche
50354 Hürth -
Hamburg
Oberberg Fachklinik Marzipanfabrik (für Kinder & Jugendliche)Friesenweg 34Klinik für Kinder und Jugendliche
22763 Hamburg -
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Nordrhein-Westfalen
Oberberg Fachklinik Wasserschlösschen (für Kinder & Jugendliche)Horst 48 (Haus Horst)Klinik für Kinder und Jugendliche
41238 Mönchengladbach -
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Hessen
Oberberg Parkklinik Wiesbaden SchlangenbadRheingauer Straße 47Fachklinik
65388 Schlangenbad -
Nordrhein-Westfalen
Oberberg Somnia Fachklinik Köln HürthFriedrich-Ebert-Straße 11aFachklinik
50354 Hürth -
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Hessen
Oberberg Tagesklinik Frankfurt am MainHedderichstraße 55-57Tagesklinik
60594 Frankfurt am Main -
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